Kamerun

Der 1. Weltkrieg in Afrika
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Ingwio
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Kamerun

Beitrag von Ingwio »

Kamerun

Die deutsche Schutztruppe in Kamerun war bereits vor 1914 durch Aufstände geschwächt worden, außerdem ermöglichte die geographische Lage Kameruns es den Alliierten, von allen vier Seiten gleichzeitig anzugreifen. 8.000 deutschen beziehungsweise einheimischen Verteidigern standen 30.000 überlegen bewaffnete Gegner gegenüber. Trotz dieser alliierten Übermacht konnten die Deutschen unter der Leitung von Major Carl Heinrich Zimmermann bis September 1914 einige Teilerfolge verbuchen und die englischen und französischen Verbände immer wieder zurücktreiben. Am 27. September 1914 jedoch mussten die Deutschen die Hafenstadt Duala aufgeben und sich ins Landesinnere zurückziehen. Dort begannen sie einen zermürbenden Guerillakrieg im Regenwald Südkameruns und einen hartnäckigen Stellungskrieg in der Savanne Nordkameruns. Diese Abwehrerfolge wurden wesentlich durch die Unterstützung der einheimischen Bevölkerung und durch die Tatsache ermöglicht, dass die Anfangsverluste in Duala und andernorts nur von geringer strategischer Bedeutung waren. Im nachfolgenden Jahr wechselte das Kriegsglück ständig. Zwar konnten die Verteidiger die Angreifer immer wieder blutig zurückschlagen, dennoch zeichnete sich ein Sieg der Entente ab, da die Alliierten im September 1915 ihr erstes Operationsziel erreichen konnten: Sie standen an der Linie Wumbiaga-Éséka und hielten damit die Schlüsselstellen des Landes besetzt. Im Januar 1916 zog sich, nach der Räumung der Hauptstadt Yaoundé, der Großteil der deutschen Verbände ins neutrale Spanisch-Guinea zurück. Bei dieser Flucht gelangten 900 Deutsche und 14.000 Soldaten der einheimischen Hilfstruppen auf neutralen Boden, 50.000 Eingeborene folgten ihnen. Die verbliebenen Einheiten kämpften solange, bis die letzten Deutschen aus Kamerun evakuiert werden konnten. Diese Nachhut streckte schließlich am 18. Februar 1916 die Waffen. Eine Bergstellung bei Mora im Nordzipfel Kameruns konnte sich bis zu diesem Zeitpunkt gegen Entente-Truppen behaupten. In der Rückschau dauerte der Kamerun-Feldzug mit achtzehn Monaten viel länger, als die Entente je erwartet hatten. Nach dem britischen Historiker Hew Strachan hält die militärische Leistung Zimmermanns und der Schutztruppe in Kamerun derjenigen Lettow-Vorbecks in Ostafrika in jeder Hinsicht stand, machte dessen spätere Erfolge überhaupt erst möglich. So habe Zimmermanns zäher Widerstand zur Bindung großer alliierter Verbände in Kamerun geführt und dadurch den deutschen Truppen in Ostafrika eine Atempause von über einem Jahr verschafft.

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